EuGH-Urteil: Arbeitszeiten von Mitarbeiter sind exakt zu erfassen

Brigitte Bösenkopf kennt die Herausforderungen der Arbeitswelt. pixabay©CCO Public Domain1

EuGH-Urteil: Arbeitszeiten von Mitarbeiter sind exakt zu erfassen

Kürzlich entschied der Europäische Gerichtshof, die Arbeitgeber in den EU-Staaten zu verpflichten, jede Arbeitsstunde ihrer Mitarbeiter genau zu dokumentieren. Bislang waren Arbeitgeber lediglich verpflichtet, Überstunden zu erfassen - also jede zusätzliche Arbeitsstunde nach acht Stunden. Das ändert sich jetzt durch das gefällte Urteil. Alles, was Arbeitnehmer an Arbeitszeit leisten, muss dokumentiert werden. Dazu zählt auch Mehrarbeit, die von Zuhause aus geleistet wird. In der Begründung des Gerichtshofs heißt es, dass ohne ein solches System weder die Arbeitsstunden noch die Überstunden "objektiv und verlässlich ermittelt" werden können. Für Arbeitnehmer sei es daher "äußerst schwierig oder gar praktisch unmöglich", ihre Rechte durchzusetzen.

Dadurch, dass schon jetzt Überstunden erfasst werden, dürfte sich nach Auffassung von Enzo Weber vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in der Praxis kaum etwas ändern. Das sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) anders. Schätzungen zufolge erfasst bisher jeder fünfte Arbeitnehmer seine Arbeitszeiten nicht. 5 Sterne Redner und Zukunftsforscher Michael Carl bewertet das Urteil kritisch. Wissenschaftlich befasst er sich seit Jahren mit dem Thema „Wie wir in Zukunft arbeiten werden“. Nach seiner Auffassung beantwortet der EuGH eine Zukunftsfrage mit einer Aussage aus der Vergangenheit.

„Es ist zwar eine sinnvolle Entscheidung, aber gefällt mit dem Mindset der frühen Industrialisierung. Wie sich das gesellschaftlich anfühlt, wissen wir von der Diskussion um den Datenschutz. Noch bevor das Urteil wirken kann, ist die Zeit bereits darüber hinweggegangen. Es ist hinlänglich bekannt, dass Arbeitszeitkontrolle weder glücklich noch gesund macht. Der entscheidende Faktor für Glück, Wohlbefinden und Gesundheit bei der Arbeit ist die Erfahrung von Sinn in derselben. Mit der Digitalisierung haben wir erstmals die Chance, das Sinnerleben jedes einzelnen zu messen, zu steuern und zu steigern. Das ist die Herausforderung der Zukunft. Stundenzählen war definitiv gestern“, kommentiert der 5 Sterne Redner Michael Carl das Urteil.

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