Die Leadership-Formel: Mario Neumann über Führen in Projekten

Die Leadership-Formel: Mario Neumann über Führen in Projekten

Für die Menschen des 18. Jahrhunderts war die Südhalbkugel ein großer weißer Fleck – und ein Mann hatte die Vision, das zu ändern: James Cook. Seine Leidenschaft war es, unbekannte Länder zu entdecken und deren Küsten zu kartografieren. Er motivierte durch seine Vision und Leidenschaft, verstand es aber auch, den Respekt und das Vertrauen seiner Mannschaft zu gewinnen. Wenn sein Schiff beispielsweise gegen einen Sturm kämpfte, stand James Cook an Deck und packte mit an.

An der Figur von James Cook lässt sich zeigen, was Projektleitern unserer Tage häufig fehlt: Führungskompetenz“, erläutert der Buchautor und 5 Sterne Redner Mario Neumann.

„Dieser Aspekt des Projektmanagements wird in seiner Bedeutung weit unterschätzt“, meint Neumann. Nur wenige Unternehmen wissen offenbar, dass drei Viertel des Projekterfolgs von der Führungskompetenz des Projektleiters abhängen, und nur ein Viertel von dessen Methodenkompetenz. Wie sonst lässt sich erklären, dass bei der Weiterentwicklung der Projektleiter meist nur die Methoden auf dem Programm stehen und das Thema Führung weit unterbelichtet bleibt? Der 5 Sterne Trainer Mario Neumann, hat eine Leadership-Formel entwickelt, die er in seinen Vorträgen, Coachings und Trainings Projektleitern mit auf den Weg gibt.

  1. Vision: Führen impliziert die Antwort auf eine Frage, die viele Projektleiter vernachlässigen: Wohin soll die Reise gehen? Mitarbeiter fordern immer öfter Perspektiven und Orientierung ein, und zwar nicht nur von Führungskräften, sondern auch von Projektleitern. Auch bei einem Projekt wollen die Mitarbeiter wissen, wofür es steht und welchen Sinn ihre Arbeit hat. Eine Vision kann ihren Zweck aber nur erfüllen, wenn die Mehrzahl der Mitarbeiter sich ihr auch wirklich verbunden fühlt.
  2. Leidenschaft: „Leidenschaftliche Führungspersönlichkeiten ernten leidenschaftliche Reaktionen”, konstatierte der Leadership-Experte John C. Maxwell. Mahatma_Gandhi kämpfte für die Menschenrechte, Winston_Churchill für die Freiheit und Martin Luther King für Gleichberechtigung – jeder von ihnen beeindruckte durch seine Leidenschaft und veränderte auf seine Art die Welt. Indem sie vorlebten, was sie predigten, vermittelten sie Hoffnung, Mut und Tatendrang. Sie inspirierten, anstatt zu motivieren!
  3. Disziplin: Wer in Projekten erfolgreich sein will, braucht eine operative Exzellenz. Projekterfolge lassen sich weder durch Vision noch durch Leidenschaft allein erreichen, hierzu bedarf es einer weiteren Eigenschaft: der Disziplin. Diese hat viel mit Konsequenz zu tun – der Konsequenz, an den Dingen dranzubleiben, nichts unter den Teppich zu kehren und der unbedingte Wille, das Projekt erfolgreich abschließen zu wollen. Und auch hier hat der Projektleiter eine Vorbildfunktion.
  4. Vertrauen: Die vierte Grundlage für gute Führung ist Vertrauen. Wenn die Mitarbeiter dem Projektleiter vertrauen, gehen sie für ihn und das Projekt durch die Hölle. Die Sache ist aber deutlich komplizierter als bei den ersten drei Faktoren. Während man für eine Vision, Leidenschaft und Disziplin selbst sorgen kann, ist man beim Faktor „Vertrauen“ auf die anderen angewiesen. Vertrauen entsteht beim Gegenüber – beim Mitarbeiter - man kann es nicht direkt erzeugen. Der Mitarbeiter muss seiner Führungskraft Vertrauen schenken!

Wer als Führungskraft „Leadership“ zeigen will, braucht alle vier Komponenten:
Leadership = Vision x Leidenschaft x Disziplin x Vertrauen
Die mathematische Grundregel lautet: ein Produkt ist Null, wenn einer der Faktoren Null ist. Bezogen auf die Leadership-Formel heißt das konkret: Ist einer der vier Komponenten bei einer Führungskraft nicht vorhanden, wird man ihr keine Leadership-Fähigkeiten zusprechen.

Wie gut ein Projektleiter seine Leadership-Funktion ausfüllt, kann man demzufolge anhand von vier Leitfragen abschätzen:

  • Wie inspirierend ist das Projektziel, das er verfolgt?
  • Wie leidenschaftlich ist er bei der Sache?
  • Wie diszipliniert verfolgt er sein Projektziel?
  • Wie sehr vertrauen ihm seine Mitarbeiter?

Bei vielen gescheiterten Projekten finden sich im Nachhinein keine überzeugenden Antworten auf diese vier Fragen. Es ist also keineswegs übertrieben, wenn man festhält: Die allermeisten Projekte scheitern nicht an zu ehrgeizigen technischen Anforderungen, sondern an der mangelnden Führungskompetenz des Projektleiters.

Quellenangaben:

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