Sebastian Kurz – mit dem Stadionprinzip zum Bundeskanzler!?

Ronny Leber über die Wahl in Österreich pixabay © CCO Public Domain1

Sebastian Kurz – mit dem Stadionprinzip zum Bundeskanzler!?

In Österreich wird am Sonntag der neue Nationalrat und damit auch indirekt der neue Bundeskanzler gewählt. Allen aktuellen Umfragen zufolge dürfte der neue Bundeskanzler in der Alpenrepublik ein 31-jähriger Studienabbrecher aus Wien werden... so weit – so unspektakulär. Was allerdings Sebastian Kurz mit seinen 31 Lenzen bereits auf seinem Resümee stehen hat, ist ungleich beeindruckender: Mit 24 Jahren wurde er bereits Staatssekretär für Integration, mit 26 zum jüngsten Bundesminister in der rot-weiß-roten Geschichte. Zunächst ob seines Alters heftig kritisiert, wurde Sebastian Kurz durch sein gutes und dynamisches Auftreten, seine klaren Aussagen und nicht zuletzt aufgrund seines guten Aussehen zum Shootingstar der österreichischen und durchaus auch internationalen Politszene. Doch was macht den Erfolg des Politikausnahmetalents aus? 5 Sterne Redner und Stadionentertainer Ronny Leber kennt Sebastian Kurz persönlich, hat seinen Aufstieg genau verfolgt und anhand seines Stadionprinzips analysiert:

Die 5 Erfolgsprinzipien:

  • Wir-Prinzip

Sebastian Kurz setzte von Anfang an darauf, alle ins Boot zu holen. Zunächst als unbekümmerter Newcomer ging es vor allem darum, als Integrationsstaatssekretär andere zu integrieren. Wie im Sport geht es hier darum, ganz klar zu machen, dass wir alle in einer Mannschaft sind. Wir tragen dieselben Farben: ob es nun rot-weiß-rot oder die schwarze Parteifarbe sein sollte – Hauptsache alle sind in einem Boot. Wie im Sport wächst Sebastian Kurz auch in der Politik durch die Stärke der Gegner. Waren die anfangs noch nicht ganz so klar, kam durch die Flüchtlingswelle plötzlich eine opportune Gruppe, bei der durch die Verunsicherung der Bevölkerung auch ein idealer Sparringspartner für politische Gemeinsamkeiten gefunden waren: die Flüchtlinge. Wurde diese Gruppe anfangs nur von den Parteien rechts der Mitte aufgegriffen, hat Sebastian Kurz schnell erkannt, dass es sich hier um ein viel zu großes Thema nur für eine Parteienminderheit handelt. Frei nach dem Motto „das Thema geht uns alle an“ holte er viele abgewanderte Protestwähler wieder zurück ins Boot.

  • Hausaufgaben-Prinzip

„Basti Fantasti“, wie er für seine Fans heißt, hat auf jeden Fall seine Hausaufgaben gemacht. Behutsam aufgebaut vom Staatssekretär zum Bundesminister und bald Bundeskanzler? Sebastian Kurz sammelte bereits als Bundesschulsprecher erste politische Erfahrung. Dort lernte er auch das rhetorische Grundwerkzeug und was es heißt, andere Menschen zu überzeugen. Ein weiterer genialer Schachzug war nach seiner Bestellung zum ÖVP Bundesparteiobmann im Juli 2017 die Rolle des Vizekanzlers unter Noch-Bundeskanzler Christian Kern nicht selbst einzunehmen. Nur nicht in diese Rolle rutschen. Er verstand es von Anfang an, Emotionen aufzubauen. Wie bei einem Sportevent, wenn der Zuseher bei Stadionöffnung langsam aus dem Alltag in die Atmosphäre des gemeinsamen emotionalen Erlebnisses gezogen wird, versteht es auch Sebastian Kurz, diesen emotionalen Teppich für viele Menschen auszurollen und sie gemeinsam abzuholen und mitzunehmen.

  • Fortschritts-Prinzip

Die Angst vor Veränderung ist in vielen Menschen verankert. „Wir wollen, das alles so bleibt wie es ist“ ist etwas, was gerade ein Politiker häufig hört. Dennoch ist die Unzufriedenheit in der österreichischen Bevölkerung in den vergangenen Jahren in einem unverhältnismäßigen Maße gewachsen, obwohl es dem Land so gut geht wie nie zuvor. Auch hier versteht es Sebastian Kurz sehr gut mit seiner christlich sozialen – also durchaus konservativ angehauchten – Linie und gleichzeitig seinem jugendlich dynamischen Auftreten einen für viele idealen Mittelweg zu gehen zwischen Veränderung in einem verträglichen Maß. Auch viele unzufriedene Protestwähler der letzten Jahre schöpfen plötzlich neue Hoffnung in der neuen Lichtgestalt, die der ÖVP zu neuer und alter Stärke zurück verhelfen soll. „Bewegung für Österreich“ heißt es und das kulminiert im nächsten Prinzip allzu deutlich.

  • Visions-Prinzip

Die große Koalition aus der roten SPÖ und der schwarzen ÖVP war die längste Zeit die Regierung in der zweiten Republik. Vor allem in den letzten Jahren herrschte oft der Vorwurf des Stillstandes. Das soll jetzt alles anders werden. „Bewegung für Österreich“ ist das gemeinsame Motto. Sebastian Kurz malt geschickt die Vision der besseren schöneren Zukunft für Österreich. Um das zu schaffen, hat sich Sebastian Kurz auch sein eigenes „Team Kurz“ geschaffen. Er bastelt mit heimischen Größen aus verschiedenen Bereichen an seiner Vision, der Politik einen neuen Stil zu geben und gemeinsam etwas zu verändern. Dafür sammelt er auch viele Unterstützer: von jedermann, der sich von zu Hause aus engagieren kann, bis hin zu prominenten Stimmen, die sich wie Niki Lauda für Sebastian Kurz aussprechen.

  • Magic Moment-Prinzip

Das beste Konzept hilft nichts, wenn man es nicht verkaufen kann. Sebastian Kurz ist ein Meister der Inszenierung. Sein jugendlicher Charme macht ihn nahbar. Er versteht es, Emotionen zu kreieren und die Menschen in seinen Bann zu ziehen. Seine „Aufbruch“-Tour hatte Volksfest-Charakter mit dem fulminanten Höhepunkt in einer vollen Wiener Stadthalle. Mit Live-Musik wurde das Publikum eingestimmt und dann zum Höhepunkt war er da: „Basti Fantasti“. Umgeben von seinen Mitstreitern und Fans. Ein Szenario, das in Emotionalität schon fast an US-Wahlkämpfe erinnert. Sebastian Kurz versteht es, Magic Moments für seine Fans zu kreieren und damit emotionale Brücken zu bauen.

In seinem Vortrag „Das Stadion-Prinzip“ zeigt der sympathische Österreicher Ronny Leber, wie man Massen begeistert und Emotionen schafft.

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