Wie Donald Trump den Kerngedanken guter Führung missachtet

Leadership-Expertin Stefanie Voss kritisiert den Führungsstil von Donald Trump © CCO Public Domain1

Wie Donald Trump den Kerngedanken guter Führung missachtet

Ein Artikel über die Fehler in Sachen Leadership von Donald Trump - wo soll man da anfangen? Es gibt leider unglaublich viel zu kritisieren an dem angeblich mächtigsten Mann der Welt, stellt Führungsexpertin Stefanie Voss fest. Zum Beispiel die Art und Weise, wie FBI-Chef James Comey gefeuert wurde (er erfuhr es über das Fernsehen), war unmöglich. Das regelmäßige Vorschicken der Presseleute mit einer Botschaft, nur um dann per Twitter das komplette Gegenteil zu behaupten, ist unmöglich. Die unsachlichen, unvollständigen und dazu auch noch in grammatikalisch fragwürdigster Form vorgetragenen Botschaften sind völlig verwirrend. Sie können für die eigene Mannschaft im Weißen Haus keine klare Linie vorgeben – auch das ist in Sachen Führung absolut katastrophal. Und was das persönliche Fehlerverhalten und die verletzenden Kommentare gegenüber Frauen, Minderheiten, Immigranten und so weiter und so fort angeht: Das hat natürlich auch mit jeder Art von gutem Führungsbenehmen nichts zu tun.

Das alles ist für Leadership-Expertin Stefanie Voss jedoch nicht der Kern des Fehlverhaltens von Donald Trump als Führungskraft. Im Kern geht es um etwas anderes. Es geht in jedem Leadership-Kontext um das Abwägen zwischen zwei Aspekten bei jeder Entscheidung. Diese beiden Aspekte spielen immer eine Rolle, egal was Trump (oder jede andere Führungskraft) macht. Egal, um welche Fragestellung es geht, egal, wie umfassend eine Entscheidung wirken wird, diese beiden stehen sich immer gegenüber. Da ist auf der einen Seite die Mission, mit der ein Mensch, ein Team, eine Organisation unterwegs ist. „Make America great again“ heißt diese bei Trump, tausendfach wiederholt. Und da ist auf der anderen Seite das eigene Ego. Manchmal gehen beide Aspekte Hand in Hand zusammen. Eine Entscheidung ist förderlich für die Mission, aber auch das Ego des Entscheiders profitiert. Das sind in der Regel die eher einfachen Entscheidungen.

Deutlich häufiger geht es darum, das eigene Ego zurückzustellen und sich der Mission unterzuordnen, um diese weiterzubringen. Das ist schwierig, denn Menschen mögen es nun mal, wenn Ihr Ego gestreichelt wird. Das ist bei uns allen so, nicht nur bei Donald Trump. Das eigene Ego zurückzustellen, das bedeutet zum Beispiel nach Kompromissen zu suchen. Es bedeutet, einen Schritt auf den „Gegner“ zuzugehen und eine gemeinsame Basis zu etablieren. Es bedeutet im Kern, sich immer wieder zu fragen, ob das, was man macht, wirklich der Mission dient, oder (manchmal ausgesprochen gut versteckt) eigentlich doch nur der Selbstbestätigung. Das Ego ist in Sachen Führung ein riesiger Stolperstein. Es verhindert Klarheit im Denken und Klarheit im Handeln. Denn es erfordert eine (manchmal grausam) ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst, um zugeben zu können, dass man eigentlich der eigenen Eitelkeit verhaftet ist, anstatt einer Sache zu dienen. „Will ich das machen, einfach weil ICH es will? Oder weil es der Sache dient? Dient mein Handeln überhaupt der Sache? Will ich mich in ein gutes Licht rücken? Oder kann ich auch damit leben, dass jemand anderes glänzt?“

Ehrliche Selbstreflexion kann sehr wehtun. Als Menschen in verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen wünschen wir uns Führungspersönlichkeiten, die einerseits eine Mission haben und diese andererseits uneitel und im Sinne aller verfolgen. Menschen, die kein Problem damit haben, ihr Ego draußen zu lassen. Die sachorientiert und lösungsorientiert vorgehen, die den „Gesichtsverlust“ nicht fürchten und sich auch mal offen und herzlich entschuldigen können, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Aber wer ist schon uneitel, dabei aber erfolgreich, charismatisch und selbstbewusst? Von dieser Sorte gibt es nur ganz wenige Menschen. Donald Trump gehört definitiv nicht dazu. Das Urteil von Rednerin Stefanie Voss ist klar: Bei jeder Entscheidung geht es dem amerikanischen Präsidenten ausschließlich um sein Ego. Die sogenannte „Mission“ seiner Kampagne ist nur eine extrem schlechte, weil total durchschaubare Tarnung seines Eitelkeits-Trips. Es geht eben leider nicht um „America“, sondern um „Donald“. Er möchte sich selbst groß machen. Seine Selbstzufriedenheit und sein Image stehen für ihn über allem.

Dieses Phänomen gibt es jedoch nicht nur aktuell im Weißen Haus zu beobachten. Vielleicht wird es in Washington, D.C. einfach momentan so offensichtlich und medienwirksam kolportiert wie schon lange nicht mehr. Jedoch auch im Unternehmenskontext ist der Siegeszug der Eitelkeit häufiger ein Thema. Da entwickeln Führungskräfte so etwas wie „Star-Allüren“, und unser Gefühl sagt uns, dass diese Menschen eher in eigener Sache unterwegs sind, als sich der Mission ihres Unternehmens, ihres Bereichs oder ihrer Abteilung verpflichtet zu fühlen. Sobald diese Verschiebung in Sachen Mission und Ego spürbar wird, rücken viele Menschen innerlich von diesen Führungskräften ab. Denn Eitelkeit und Vertrauen passen einfach nicht zusammen. Wer langfristig auf einem egoistischen Eitelkeits-Trip unterwegs ist, der arbeitet für sich – und eben nur für sich. Der Teamgedanke, die Mission und das gemeinsame Ziel müssen dann zwangsläufig in den Hintergrund rücken – und genau das zerstört Vertrauen. Das aber ist die Basis der gelungenen Zusammenarbeit. Ohne Vertrauen ist keine wirklich gute Führung möglich. Was können Führungskräfte also tun, um der allzu menschlichen Ego-Falle zu entgehen?

Folgendes Vorgehen hält Führungsexpertin Stefanie Voss für sinnvoll:

• Das Zauberwort heißt „Selbstreflexion“. Nur wer die eigene Persönlichkeit regelmäßig reflektiert, kann sich weiter entwickeln.

• Das ist individuell möglich: Man kann die eigenen Denk- und Verhaltensmuster kritisch anhand der Motivatoren „Mission“ und „Ego“ überprüfen.

• Alternativ zieht man einen Coach hinzu: Das hilft, gerade die unangenehmen Fragen nicht zu schnell wegzuwischen, sondern sich diesen wirklich ausführlich zu stellen.

Eitelkeit ist allzu menschlich. Wir alle mögen es, wenn unser Ego Streicheleinheiten erhält. Genau deswegen ist es so schwer, sich die eigenen Ego-Trips einzugestehen. Selbstreflexion hört sich banal an, ist aber ein extrem mächtiges Werkzeug in jedem Führungskontext. Wer sich selbst führen will, muss sich reflektieren. Und nur wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen. Wie man es definitiv nicht machen sollte, das erleben wir aktuell jeden Tag in den Medien. Der heftige Ego-Trip des Donald Trump ist der Killer jeder Form von Leadership. Genau deswegen gelingt es ihm auch nicht, die Mitarbeiter des Weißen Hauses zu führen.

Vom „Hühnerhaufen“ berichten die Medien – für Rednerin Stefanie Voss keine Überraschung. Wer sich nur um sich selbst kümmert, der kann sich nicht um andere kümmern. Und Führung heißt im Kern, sich für andere Menschen zu interessieren, ihnen eine Richtung zu geben, sie weiter bringen zu wollen. Führung heißt, sich einer gemeinsamen Mission zu verpflichten. Das verlangt von der Führungskraft, sich mit dem ganzen, großen, eigenen Ego immer wieder bewusst zurückzunehmen. Es muss um die Sache gehen. Die Mission geht immer vor. Es klingt banal – aber es ist leider nicht einfach. Stefanie Voss ist Expertin für Kommunikation und Leadership - und Weltumseglerin. Als Rednerin, Coach und Moderatorin begleitet sie Menschen und Organisationen in Deutschland und international auf ihrem Kurs durch Wind und Wellen - mit einem klaren Blick auf das Ziel und der richtigen Taktik für die Navigation.

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