Stimmexpertin Dr. Monika Hein analysiert Merkel & Schulz

Sprachexpertin Monika Hein analysiert die Stimme von Angela Merkel. CCO Public Domain1

Stimmexpertin Dr. Monika Hein analysiert Merkel & Schulz

Im September finden die Bundestagswahlen statt, vieles steht für Deutschland auf dem Spiel. Wohin geht es, gibt es eine Veränderung oder bleibt uns die Kanzlerin erhalten? Die Stimmen der Politiker spielen ganz subtil eine Rolle dabei, ob sie gewählt werden oder nicht. Studien belegen, dass tiefe und sonore Stimmen erfolgsvorsprechend sind - doch es spielen noch weitere Faktoren eine Rolle beim Sprechen, die weit über den Stimmklang und die Tonhöhe hinausgehen.

Stimmexpertin und Synchronsprecherin Dr. Monika Hein weiß, dass der Ton die Musik macht und beeindruckt mit ihren emotionalen Sprachkünsten. Die 5 Sterne Rednerin hat die Stimmen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz einer Analyse unterzogen.

Die Stimme von Angela Merkel kennen wir seit vielen Jahren und haben sie irgendwie lieb gewonnen. Ihre Stimme ist nicht volltönend oder sonor, sondern sie mutet eher zart an, sodass man nicht sofort die entscheidungsstarke Powerfrau heraushört. Das kann auch sehr nützlich sein, denn die CDU-Chefin und Kanzlerin setzt nicht auf das Lautsein. Ihre Sprechmelodie verbindet viele einzelne Aspekte, sie spricht sie wie lange „Bandwurmsätze“, verbunden mit Kommas. Die Satzmelodie geht häufig nach oben, was ihre Zartheit unterstützt. Die Stimme zeigt zuweilen auch eine leichte Rauigkeit, die innerhalb der männerdominierten Politikwelt sicherlich hilfreich ist. Ansonsten gibt es ein leichtes geschlossenes Näseln, das an einen Stockschnupfen erinnert. Dies schmälert die Resonanz und lässt ihre Stimme meist flach erscheinen.

Die Aussprache ist zumeist klar und gewählt. Das Tempo bleibt oft gleich, das verleiht der Stimme eine gewisse Verlässlichkeit. Sie atmet eher in den Brustraum ein, manchmal ist der Atem hörbar, was auf eine gewisse Anspannung im Rachenbereich hinweist. Wenn sie sich amüsiert oder engagiert, erlaubt sie sich, das auch hörbar werden zu lassen, die Melodie wird stärker, der Körper bewegt sich mit und setzt Akzente, sie betont stärker.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz dagegen wirkt stimmlich sehr beherrscht. Die Stimme ist leicht „zurückverlagert", klingt also hinten im Mund- und Rachenraum und lässt dadurch Klarheit vermissen. Die Rauigkeit ist recht stark ausgeprägt, was einen eher derben Stimmklang prägt. Die Aussprache ist zuweilen verschliffen, das zeigt eine gewisse Coolness. Den Atem hört man so gut wie nicht, Martin Schulz ist um Contenance bemüht, doch die Lebendigkeit fehlt. Die Satzenden zieht auch er kontinuierlich in die Höhe und reiht Aspekt an Aspekt.

Manchmal hat das einen verschleiernden Anklang, denn der Mensch kann sich eben nicht alles merken, was jemand durch ein Komma, das man ja nicht hört, getrennt aneinanderreiht. Auf diese Art können Politiker, in diesem Fall beide, schnell und fast unmerklich das Thema wechseln. Die einzelnen Bilder werden bei Martin Schulz nicht richtig greifbar, es fehlt eine Verbindlichkeit in seinem Ausdruck.

Fazit: Angela Merkels Stimmklang zeigt eine stärkere Klarheit, mehr Verletzlichkeit und Emotion. Martin Schulz setzt stimmlich auf Coolness und Beherrschtheit.

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