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Wie die Körpersprache von Merkel und Steinbrück auf uns wirkt

Eine Analyse vom Körpersprache-Experten Michael Moesslang

Wenn wir Menschen nur aus den Medien kennen und ihnen nicht persönlich gegenüber stehen, fehlen Merkmale an denen wir Sympathie festmachen können. Das ist oft der Grund dafür, warum Medien-Menschen oft ganz anders rüber kommen als sie im direkten Kontakt sind. Das kann gut oder schlecht sein. Bei Politikern entscheidet es über viele Wählerstimmen.

Zahlreiche Wähler haben nicht die Zeit oder das Interesse, sich umfassend zu informieren. Und haben doch eine Meinung, wen sie wählen. Manche sind zwar informiert, das Gefühl für eine Person ist aber letztlich doch stärker. „Wen wir mögen, wählen wir.“, erläutert der Experte für Präsentation und Körpersprache Michael Moesslang. Er ist 5 Sterne Redner und bekannt als „Der Hitchcock der Präsentation“.

Sympathie und Vertrauen machen wir bei Medienmenschen vor allem an deren Auftreten fest: Körpersprache, Stimme und Sprechweise. Die Inhalte werden zwar gehört und meist sogar verstanden, doch schnell wieder vergessen. Sie wirken hauptsächlich rational. Der Eindruck und das Auftreten eines Menschen gehen dagegen tiefer und wirkt stark im Unterbewusstsein.

Steinbrück lehnt Coaching ab

Es gibt immer noch Menschen, die glauben, dass es vor allem auf den Inhalt ankommt. Steinbrück ist so einer - Coaching wäre ja Schauspielerei und würde seine Authentizität zerstören. Deshalb ist er wohl lieber authentisch unbeliebt. Nur hat professionelles Coaching weder mit Schauspielerei zu tun, noch zerstört es die Authentizität eines Menschen.

Die Körpersprache Steinbrücks ist geprägt von aggressiven Gesten. Er ballt die Fäuste, schlägt mit ihnen rhythmisch zu seinen Worten und sticht mit dem Zeigefinger auf sein Publikum ein. Eine kämpferische Form der Gestik aus den Zeiten des (kalten) Krieges. So entsteht kein Vertrauen. Das wirkt selbst auf wohlwollende Anhänger unangenehm aufs Unterbewusstsein.

Dazu fehlt ihm jegliches Lächeln. Wenn er es versucht, wirkt es meist gequält - harte Kante mit hartem Blick. Im direkten Kontakt mit Wählern geht sein Blick allerdings oft schon zur nächsten Person oder in die Runde, selten zum Gegenüber. In Kontakt mit den Menschen kommt er so nicht an.

Rhetorisch ist Steinbrück gut. Seine politische Karriere begann schließlich als Redenschreiber von Matthöfer. Allerdings glaubt er bei intellektuellem Publikum eine gestelzte Sprache mit Aneinanderreihung komplexer Begriffe und endlos langen Sätzen einsetzen zu müssen. Das ist falsch, da die so wichtige Wirkung aufs Unbewusste dadurch unmöglich wird.

Einfache Sprache erzeugt Bilder und Emotionen – das wirkt! Das sollte Steinbrück durchaus wissen, denn seine Metaphern sind legendär. Da werden Gipfeltreffen zu Pokerrunden, von denen außer dem Gruppenfoto nichts rauskommt. Oder das Angebot der Regierung wären leere Schachteln ohne Wert. Auch rhetorische Figuren setzt er gekonnt ein. Bitte mehr davon!

Wer nur an die Sache glaubt, vernachlässigt die viel stärker wirkenden emotionalen Komponenten. Kein Wunder also, dass sogar gut 20 Prozent der SPD-Anhänger ihn nicht direkt wählen würden.

Merkel hat die Souveränität gelernt

Ganz anders dagegen präsentiert sich die amtierende Kanzlerin. Sie zeigt, wie man sich entwickeln kann. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge, als sie schüchtern und farblos lispelnd harmlose Aussagen in die Kamera hauchte? Längst vorbei! Heute bewegt Sie sich nicht nur sicher auf internationalem Parkett, sondern auf absoluter Augenhöhe mit US-Präsidenten und Päpsten.

Und doch ist ihre Körpersprache längst nicht immer ideal. Legendär ihre zum „Merkel’schen Dach“ geformten Hände und ihre farbigen Jacketts. Trocken und emotionsbefreit ist manche Bundestagsrede oder Pressekonferenz, vor allem aber die Neujahrsansprache!

Ganz anders gibt sich die Kanzlerin dagegen, wenn sie lockerer sein darf oder Wahlkampfreden hält. In Talk-Shows und Interviews tritt sie humorig auf. Ihr trockener Humor kann fast schon das Comedy-Niveau eines Dieter Nuhr erreichen. So lockert Sie auch die Situationen auf, wenn sie auf Wähler, Mitarbeiter oder Journalisten trifft. Und – fast schon ihr drittes Markenzeichen – ist ihre ausdrucksstarke Mimik.

Ja, auch ihr fällt es schwer ein Lächeln über die Lippen zu bekommen, doch gleicht sie das durch ihre Lachenden, manchmal richtig schelmischen Augen aus. Sie setzt nicht auf aggressive Gestik und Rhetorik, sie weiß, dass es heute viel wichtiger ist Vertrauen zu erzeugen. In Zeiten schwerer und komplexer, teils globaler Krisen der Finanzen, Wirtschaft, Sozialsysteme und Arbeitsmärkte ist nicht mehr kämpferische Wut gefragt. sondern bedächtiges, strategisches und nachhaltiges Handeln. Das zu können, vermittelt Angela Merkel konsequent. Und die Wähler trauen es ihr zu. Bei ihr sind es rund 50 Prozent mehr als Unionswähler. Rekord!

Natürlich gibt es auch andere Gründe für eine Wahl – beispielsweise Stammwähler einer Partei oder der feste Glaube an Parolen und Wahlversprechen. Doch unser Bauchgefühl siegt immer wieder und unterbewusste Entscheidungen gewinnen über rationale Überlegungen. Das ist zu Merkels Vor- und Steinbrücks Nachteil. Frei von Inhalten und Parteitreue wäre Michael Moesslangs Prognose: 15 Prozent Steinbrück, 85 Prozent Merkel.

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