Körpersprache der Top-Manager

Körpersprache der Top-Manager

Vertrauen wird stark durch das Auftreten einer Person geprägt. Körpersprache, Aussehen und Stimme haben zwar nicht immer unmittelbar damit zu tun, ob wir jemandem glauben, für kompetent halten oder sympathisch finden. Doch verknüpfen wir diese Punkte miteinander. Und liegen dabei sehr selten falsch.

Top-Manager wissen dies teilweise, manche scheinen aber reichlich wenig darauf zu achten und halten sich wohl für zu perfekt, um hier nachzubessern. Für meine aktuellen Vortrag habe ich einige bekannte CEOs analysiert. So beispielsweise Martin Winterkorn, VW, der auf der letzten IAA eine nur zehnminütige Rede hielt.

Die Bühne betritt er dabei breit wie ein Cowboy. Dazu noch eine Hand in der Hosentasche, in der anderen ein Manuskript. Nicht nur, dass die meisten Menschen eine Hand in der Hosentaschen keineswegs für leger halten, sondern für respektlos oder unsicher, er legt dabei sein zweireihiges Jackett in unschöne Falten. Aufs Manuskript blickt er übrigens nicht einmal. Es dient ihm wohl als Hilfe, sich zu beruhigen. Denn seinen Text liest er – unnatürlich abgehackt – vom Teleprompter.

Darf der CEO eines der größten Automobilimperien der Welt unsicher wirken? Auch wenn es menschlich nachvollziehbar sein mag, doch wer für über eine halbe Million Mitarbeiter verantwortlich ist und fast 200 Milliarden Jahresumsatz, der darf keine Schwächen zeigen. Das könnte im schlimmsten Fall den Aktienkurs kippen. Abgesehen davon, dass der leider nicht totzukriegende Tipp, gegen Nervosität etwas in die Hand zu nehmen, diese erst Recht zeigt.

Deutsche Bank Co-CEO Jürgen Fitschen dagegen, schlägt sich wacker. In einem Doppelinterview mit dem ehemaligen Finanzminister und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück messen sich zwei, die sich gerne als sehr selbstbewusst und schlagfertig verstehen. Dabei will keiner den anderen offen angreifen, doch Sticheleien zeigen das Machtspiel – oder Macho-Spiel? –, das Fitschen klar gewinnt. Ihm rutscht zwar auch Mal kurz die Hand in die Tasche, doch er bleibt souverän und hat die bessere Haltung, größere Gestik und den festeren Blickkontakt. So bestätigt sich, was auf der verbalen Ebene abläuft. Denn auch dort führt er das Geplänkel an, auf das Steinbrück zwar schlagfertig reagiert, doch Fitschen noch schlagfertiger sofort eine neue Dimension hinzufügt.

So einfach ist es dann auch wieder nicht

Wir schreiben demjenigen Kompetenz zu, der aufrecht steht, sich sicher, raumgreifend und dynamisch bewegt und einen festen Blickkontakt hält. Allerdings gibt es durchaus auch lässige CEOs, die eher in Jeans und mit eingehakten Händen oder gar verschränkten Armen (normalerweise vom Gegenüber als verschlossen, abblockend oder gar arrogant wahrgenommen) erfolgreich Unternehmen führen. Ein Kunde von mir ist beispielsweise CEO bei einem Sportartikelhersteller. Da sind Jeans bei vielen Anlässen durchaus angebrachter, als der Nadelstreif. Trotzdem zeigt seine Körpersprache klar, dass er Vertrauen verdient hat.

Dann gibt es die Manager, die nahezu perfekte Kleidung und Körpersprache haben – und die trotzdem kaum bei den Menschen ankommen. Das liegt manchmal an Entscheidungen, die ein Manager eben treffen muss. Das liegt viel häufiger daran, dass diese Menschen es übertreiben. Das passiert bei Winterkorn, dessen Macho-Gang einfach eine deutliche Nummer zu breit ist. Übertreibung – man könnte auch Masslosigkeit sagen – kommt nie gut an. Da Körpersprache viel stärker aufs Unterbewusstsein wirkt als Worte, könnte er noch so positiv reden, vertrauenswürdiger wird er dadurch nicht.

 

Text: Michael Moesslang

Foto: 5 Sterne Redner und Körpersprache-Experte Michael Moesslang © Munich Re

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